Bitte um Aufhebungsvertrag: Tipps, wie Du die Kündigung vermeidest
Steht eine Kündigung im Raum, fühlen sich viele Arbeitnehmer erst einmal machtlos. Ob es ein kritisches Gespräch mit der Führungskraft war, eine Abmahnung oder die schriftliche Kündigung selbst. In solchen Momenten stellt sich die Frage, wie man am besten reagiert.
Eine Möglichkeit ist, selbst um einen Aufhebungsvertrag zu bitten. Damit übernimmst Du wieder ein Stück Kontrolle über die Situation. In diesem Artikel zeigen wir Dir, wie Du dabei Schritt für Schritt vorgehst.

Gründe für eine Bitte um Aufhebungsvertrag statt Kündigung
Wird eine Kündigung angedroht oder bereits ausgesprochen, entsteht oft das Gefühl, keinen Einfluss mehr zu haben. Mit der Bitte um einen Aufhebungsvertrag kannst Du aktiv werden und Deine Position stärken. Du überlässt die Entscheidung nicht allein dem Arbeitgeber.
Konditionen mitgestalten
Der Aufhebungsvertrag wird einvernehmlich geschlossen. Deshalb kannst Du mit dem Arbeitgeber über das Austrittsdatum, eine Abfindung, eine Freistellung oder offene Urlaubstage verhandeln. Das ist bei einer Kündigung so nicht möglich. Je nach Situation sind die Chancen auf faire Bedingungen deutlich besser. Trotzdem können Nachteile entstehen, wenn wichtige Punkte fehlen oder schlecht geregelt sind.
Nachteile einer Kündigung vermeiden
Ein Aufhebungsvertrag kann helfen, eine fristlose oder belastende Kündigung zu umgehen. Gerade bei schwierigen Situationen im Betrieb oder bei drohenden Konflikten ist das ein klarer Vorteil. Auch gegenüber künftigen Arbeitgebern wirkt ein sauber geregelter Austritt besser als eine Kündigung.
Arbeitslosengeld und Sperrzeit
Ein Aufhebungsvertrag kann zu einer Sperrzeit beim Arbeitslosengeld führen. Das passiert, wenn die Arbeitsagentur von einer freiwilligen Aufgabe des Jobs ausgeht. Die Sperrzeit lässt sich vermeiden, wenn der Arbeitgeber nachweislich eine Kündigung angedroht hat, die Kündigungsfrist eingehalten wurde und keine zusätzlichen Vorteile vereinbart wurden. Ob eine Sperrzeit verhängt wird, prüft die Agentur im Einzelfall. Deshalb ist es wichtig, die Vereinbarung sorgfältig vorzubereiten.
Ein Aufhebungsvertrag kann Vorteile gegenüber einer Kündigung haben
Ein Aufhebungsvertrag ist kein Standardformular, sondern wird individuell zwischen Dir und dem Arbeitgeber ausgehandelt. Das kann Dir je nach Situation konkrete Vorteile bringen – sowohl inhaltlich als auch zeitlich. Der Aufhebungsvertrag ist insbesondere sinnvoll, wenn das Obsiegen des Arbeitnehmers im Kündigungsschutzverfahren zweifelhaft ist oder für den Arbeitnehmer von vornherein klar ist, dass er nicht zum Arbeitsplatz zurückkehren möchte.
Mögliche Regelungspunkte im Aufhebungsvertrag sind:
- das genaue Beendigungsdatum
- eine mögliche Abfindung
- Freistellung mit oder ohne Gehaltsfortzahlung
- Resturlaub, Überstunden oder Sonderzahlungen
- ein qualifiziertes Arbeitszeugnis mit abgestimmter Note
- Rückgabe von Firmeneigentum (z. B. Laptop, Handy, Dienstwagen)
- eine Klausel zum Verzicht auf weitere Ansprüche
Durch diese Regelungspunkte kannst Du den Austritt aus dem Unternehmen klar und fair gestalten. Viele Dinge, die bei einer Kündigung automatisch und oft einseitig entschieden werden, kannst Du im Aufhebungsvertrag aktiv mitbestimmen.
⚠️ Wichtiger Hinweis
Ein Aufhebungsvertrag klingt oft nach einer schnellen und einfachen Lösung – bringt aber nicht immer Vorteile für Dich. Eine Abfindung wird nur dann gezahlt, wenn der Arbeitgeber wirklich ein starkes Interesse daran hat, dass Du gehst. Von selbst bekommst Du sie in den meisten Fällen nicht.
Auch andere Punkte wie Freistellung oder Sonderzahlungen lassen sich nur durchsetzen, wenn Du in einer guten Verhandlungsposition bist. Überlege Dir also genau, wie Deine Situation aussieht, bevor Du einen Aufhebungsvertrag unterschreibst. Ohne gute Argumente kann er für Dich sogar schlechter sein als eine Kündigung. Hole Dir im Zweifel rechtlichen Rat, bevor Du unterschreibst.
Der richtige Zeitpunkt für ein Gespräch mit dem Arbeitnehmer
Sobald klar ist, dass der Arbeitgeber eine Kündigung ernsthaft in Betracht zieht, kann es sinnvoll sein, aktiv zu werden. Wer jetzt selbst den Aufhebungsvertrag vorschlägt, hat bessere Chancen, bestimmte Bedingungen mitzugestalten. Zum Beispiel das Austrittsdatum oder ein faires Arbeitszeugnis.
Nach einer Abmahnung mit klarer Trennungsabsicht
Wenn die Abmahnung nicht nur zur Korrektur dienen soll, sondern auf eine spätere Kündigung hinzielt, ist der nächste Schritt oft absehbar. In dieser Situation kann ein Aufhebungsvertrag helfen, einen offenen Konflikt zu vermeiden und stattdessen eine einvernehmliche Lösung zu finden. Andererseits solltest Du Dich durch eine Abmahnung nicht zu sehr unter Druck setzen lassen.
Überlege Dir, ob eine Kündigung aufgrund des abgemahnten Verhaltens wirklich wahrscheinlich ist. Wenn Du Dich vorschnell auf eine einvernehmliche Beendigung des Arbeitsverhältnisses einlässt, kann das Deine Verhandlungsposition schwächen. Letztlich kommt es immer auf die Umstände des Einzelfalls an.
Zwischen Kündigungsgespräch und schriftlicher Kündigung
Manchmal kündigt der Arbeitgeber das Gespräch an oder teilt bereits mündlich mit, dass man sich trennen möchte. Noch bevor das Schreiben offiziell zugestellt wird, kann die eigene Initiative zum Aufhebungsvertrag eine Alternative eröffnen. In vielen Fällen mit besserem Ergebnis. In diesem Fall solltest Du Dir aber frühzeitig anwaltliche Hilfe suchen.
Nach Zugang der Kündigung, wenn Du keinen Streit willst
Auch wenn die Kündigung bereits schriftlich vorliegt, lässt sich unter Umständen noch verhandeln. Wer nicht auf einen Rechtsstreit setzt, kann mit einem Aufhebungsvertrag bessere Rahmenbedingungen schaffen. Viele Arbeitgeber sind offen für diese Lösung, wenn sie dadurch einen Rechtsstreit vermeiden können, von dem sie wissen, dass sie wahrscheinlich unterliegen werden.
Wie formuliere ich die Bitte richtig?
Ein Aufhebungsvertrag ist eine freiwillige Vereinbarung. Der Arbeitgeber muss zustimmen. Deshalb solltest Du nicht ohne Vorwarnung schriftlich vorschlagen, das Arbeitsverhältnis aufzulösen. In vielen Fällen führt das nur zu Irritation oder Ablehnung.
Besser erst das persönliche Gespräch suchen
Der richtige Weg ist meist ein direktes Gespräch. Frag nach einem Termin oder einem ruhigen Moment, in dem Du das Thema sachlich ansprechen kannst. Zeig, dass es Dir um eine faire Lösung geht. Je klarer die Trennung ohnehin schon im Raum steht, desto eher wird der Arbeitgeber offen für eine Einigung sein.
Den richtigen Ton treffen
Vermeide Drohungen oder Ultimaten. Mach deutlich, dass Dir an einer sauberen Lösung gelegen ist. Wenn Du zu direkt forderst oder Druck aufbaust, wird der Vorschlag oft abgeblockt. Besser ist es, Deinen Wunsch als Vorschlag zu formulieren, nicht als Bedingung.
Wenn nötig: schriftlich nachfassen
Eine schriftliche Zusammenfassung bietet sich an, wenn das Gespräch positiv verlaufen ist. Zum Beispiel in einer kurzen E-Mail als Bestätigung oder zur Vorbereitung eines Vertragsentwurfs.
Typische Risiken und warum eine rechtliche Prüfung wichtig ist
Ein Aufhebungsvertrag kann Vorteile gegenüber einer Kündigung bringen, aber auch spürbare Nachteile. Deshalb solltest Du genau prüfen, welche Folgen die Vereinbarung für Dich hat, bevor Du etwas unterschreibst.
Mögliche Risiken im Überblick:
- Sperrzeit beim Arbeitslosengeld
Bei den meisten Aufhebungsverträgen unterstellt die Agentur für Arbeit eine freiwillige Aufgabe des Arbeitsplatzes. Das kann zu einer Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen führen. - Verzicht auf Kündigungsschutz
Mit der Unterschrift unter einen Aufhebungsvertrag entfällt die Möglichkeit eines Kündigungsschutzverfahrens. Der Aufhebungsvertrag selbst kann aber unter gewissen Umständen gerichtlich überprüft werden. - Kein Anspruch auf Abfindung
Eine Abfindung ist keine Pflicht. Wenn nichts dazu vereinbart wird, hast Du auch keinen Anspruch. - Unklare oder nachteilige Regelungen
Ohne Prüfung können sich nachteilige Klauseln einschleichen – etwa zur Freistellung, zu Urlaubsansprüchen oder zur Rückzahlung von Boni. - Lücken bei Altersvorsorge oder Versicherungen
Je nach Zeitpunkt der Beendigung kann es zu unterbrochenen Versicherungsverläufen kommen, z. B. bei der betrieblichen Altersvorsorge.
Rechtzeitig prüfen, nicht erst nachher
Ob der Vertrag für Dich passt, hängt stark von den Details ab. Sobald Dir ein Entwurf vorliegt oder die Verhandlungen konkreter werden, solltest Du ihn prüfen lassen. Eine rechtliche Einschätzung hilft dir dabei, Nachteile zu erkennen, bevor sie entstehen.
Auch die Frage, ob eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld zu erwarten ist, lässt sich vorab klären.